Ein bisschen niedergeschlagen oder steckt mehr dahinter?

Erscheinungsbild der Depression

Ist ihr Kind/Jugendlicher häufig niedergeschlagen, zeigt es immer weniger Lebensfreude und ist es häufig teilnahmslos und antriebslos? Hat es kein Interesse mehr für Aktivitäten, die es früher sehr gerne gemacht hat? Hat es das Gefühl, nichts mehr wert zu sein oder hat es viele Schuldgefühle? Klagt es über Bauchweh und ist oft unspezifisch krank? Oder ist es rasch gereizt und aggressiv? 

Dies alles sind Symptome der psychischen Störung Depression. Gerade kleine Kinder zeigen ihre Depression in ihrer Mimik, aber unerwarteterweise auch durch auffallendes Sozialverhalten, körperliche Beschwerden, sie haben Gewichtsschwankungen oder Schlafschwierigkeiten. Schulkinder sind schneller gereizt, zeigen Konzentrationsschwierigkeiten und Leistungsschwankungen bis hin zu Schulmüdigkeit. Manchmal zeigt das Kind sich teilnahmslos, introvertiert oder unmotiviert und dann spielt es wieder ganz normal. Bei Jugendlichen treten zusätzlich oft Lustlosigkeit, Schlaf- und Essstörungen und schwer nachvollziehbare überhöhte  Reizbarkeit  und in manchen Fällen Suizidgedanken auf. 

Häufigkeit bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern tritt die Depression selten auf (1-2%), bei Jugendlichen etwas häufiger (4-5 %) und bei jungen Erwachsenen häufig (10-17 %). Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist Depression oft begleitet von weiteren Störungen wie ADHS oder Angst (ca. 60 %). 

Unterschied Symptome von Kindern und Erwachsenen

Aufgrund des Vorhandenseins weiterer Störungen ist eine Depression nicht immer leicht erkennbar und diagnostizierbar. Dazu unterscheiden sich die Symptome im Kindesalter von denen Erwachsener während die Symptome von Jugendlichen sich zwischen denen von Kindern und Erwachsenen bewegen. Da die Symptome nicht immer klar ersichtlich sind, schätzen Eltern den Schweregrad der Symptomatik häufig als geringer ein als das Kind selbst. Ein zusätzlicher Grund dafür ist, dass die Kinder sich phasenweise unauffällig verhalten.

Schulmüdigkeit

Im Lernbereich können die Folgen der Depression zu einer Schulmüdigkeit, Lernunlust oder gar Schulverweigerung führen. Beispielsweise freuen sich Kinder sehr auf den Schulstart, doch werden dann  ihre Erwartungen an die Schule nicht erfüllt. Vielleicht ist der Unterricht nicht spannend, sie werden nicht wertgeschätzt oder anderweitig werden ihre Entwicklungsbedürfnisse nicht befriedigt. Kinder oder Jugendliche entwickeln eine immer grössere Unlust, in die Schule zu gehen und äussern, am liebsten nur noch zu Hause bleiben wollen. Es kann sich nicht für die Schule oder damit verbundene Aktivitäten motivieren, was im Elternhaus meist einen grossen Leidensdruck auslöst. Eltern verstehen häufig nicht, wieso das Kind die Lust an der Schule verliert und bleiben ohne Erfolg, es zu motivieren. Durch die Schulmüdigkeit häufen sich die Absenzen in der Schule und/oder die Eltern werden zu Elterngesprächen in die Schule eingeladen.

Ursachen

Die Ursachen sind vielfältig, häufig ist eine erlebte ungelöste Enttäuschung der Auslöser einer Depression. Dazu gehören beispielsweise Trauma, Mobbing, belastende Stresssituationen (z. B. Armut, Erkrankung eines Elternteils, Trennung, Arbeitslosigkeit, fehlende Bindung zu Bezugspersonen). Im Kindesalter sind vorwiegend familiäre Faktoren ausschlaggebend (z.B. Vernachlässigung der Eltern, schwierige Beziehungen zu Gleichaltrigen, Verlust von liebgewonnen Tieren, Scheidung der Eltern).  

Depression und Burn-Out

Das Burnout-Syndrom ist eine Erschöpfungsdepression. Ein Burnout wird als Reaktion einer Person auf übermässigen Stress oder Belastung (häufig am Arbeitsplatz oder in der Schule, weniger in der Familie) definiert. Dabei bildet die Erschöpfung das Hauptsymptom. Ab 2022 wird das Burnout im internationalen Klassifikationssystem (ICD-11) neu als eigenständige Diagnose behandelt.

Folgen und Therapie

Mögliche Folgen

Die Folgen einer nicht behandelten Depression können sehr vielfältig sein und langfristig einen negativen Effekt auf die Lebensqualität haben.

Reduziertes psychisches Wohlbefinden
Die Depression führt dazu, dass betroffene Kinder /  Jugendliche häufig traurig und niedergeschlagen sind, viel weinen und schneller einmal gereizt sind. Gleichzeitig können auch Schuldgefühle und Angst auftreten. Diese Faktoren können das Selbstwertgefühl mindern. In manchen Fällen treten zudem selbstverletzende Handlungen auf. Kurz, Kinder / Jugendliche verlieren die Freude am Leben. 

Soziale Isolation
Betroffene Kinder / Jugendliche verspüren immer weniger Lust an alltäglichen Aktivitäten, sei dies alleine, mit Gleichaltrigen oder in der Familie. Dadurch zieht es sich immer mehr zurück und nimmt nicht mehr am sozialen Leben teil. Je nach Situation führt dies dazu, dass es keine Freunde mehr hat. 

Beeinträchtigte schulische Laufbahn – Schulmüdigkeit oder Schulverweigerung
Die Symptomatik kann zu einer verminderten Leistungsfähigkeit in der Schule führen. Dies wirkt sich negativ auf die Schulnoten aus und es treten häufiger Misserfolge auf. Je nach Situation führt es dazu, dass die betroffene Person nicht mehr in die Schule gehen will.

Körperliche und psychosomatische Symptome
Die Symptome können dazu führen, dass Schlafstörungen oder Essstörungen auftreten. Auch psychosomatische Krankheiten im Magen-Darm-Bereich können häufig Folge einer Depression sein.

Therapie

Eine Depression sollte psychotherapeutisch behandelt werden. Je nach Schweregrad ist die Kombination mit einer medikamentösen Behandlung in Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt sinnvoll. In der Lernpraxis setzen wir die neuesten wissenschaftlichen Therapiemöglichkeiten individuell für unsere Klienten in die Praxis um:

  • Analyse der Situation: Was führt zu den Symptomen, spezifische Auslöser?
  • Analyse der Beziehungen des Klienten: Wo kann aktiv Unterstützung eingeholt werden?
  • Belastungen in Absprache mit Beteiligten reduzieren (z.B. Prüfungsdruck)
  • Perspektivenwechsel: neue Sicht und emotionaler Zugang zum auslösenden Ereignis
  • Umgang mit weiteren enttäuschenden Situationen
  • Perspektivenwechsel: vom Opfer zur selbstwirksamen Person
  • Umgang mit dem körperlichen Wohlbefinden
  • Umsetzung möglicher Freizeitaktivitäten und Lebenskraft spendender Situationen
  • Aufbau und Training von Resilienz

Terminanfrage

Haben Sie das Gefühl, dass Sie oder Ihr Kind professionelle Hilfe benötigen? Gerne dürfen sie uns unverbindlich kontaktieren. Die Anfrage bis und mit telefonischem Vorgespräch mit einer Fachperson ist für Sie kostenlos. Bei Fragen dürfen Sie uns selbstverständlich anrufen (044 213 10 10) oder eine E-Mail senden (kontakt@lernpraxis.ch).

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Unsere Fachpersonen für Depression und Schulmüdigkeit

  • Eva Wohlfahrt – Psychotherapeutin
  • Clara Overkott – Psychotherapeutin
  • Andrea Keller – Ergotherapeutin
  • Benjamin Sager – Psychologe
  • Carolin Bestle – Ergotherapeutin
  • Laurine Gosteli – Psychotherapeutin
  • Lilian Valko – Psychotherapeutin
  • Michaela Veigl – Psychotherapeutin
  • Rolf Nyfeler – Fachliche Leitung